Biografien sichtbar machen

Storyboard-Ausstellung zu Luigi Toscanos

„GEGEN DAS VERGESSEN“

Vom 28. Februar bis zum 22. März 2026 waren auf dem Schulhof des Walter-Eucken-Gymnasiums und der Kaufmännischen Schulen I Freiburg die überlebensgroßen Porträts des Fotografen und Filmemachers Luigi Toscano zu sehen. Für sein internationales Ausstellungsprojekt „GEGEN DAS VERGESSEN“ hat Toscano seit 2014 weltweit mehr als 400 Überlebende der nationalsozialistischen Verfolgung porträtiert. Seine eindringlichen Fotografien geben den Menschen ein Gesicht und bewahren ihre Geschichten vor dem Vergessen.


Im Zentrum der schulischen Auseinandersetzung stand die Biografiearbeit mit der von mir entwickelten Storyboard-Telling-Methode. Über 150 beschäftigten sich intensiv mit einzelnen Porträtierten, recherchierten ihre Lebensgeschichten und übertrugen zentrale Stationen, Erfahrungen und Wendepunkte in selbst gestaltete Storyboards.

 

Die entstandenen Arbeiten wurden in einer schulinternen Storyboard-Ausstellung präsentiert. Sie begleiteten Toscanos Porträts und eröffneten einen zusätzlichen biografischen Zugang: Aus einem fotografischen Gesicht wurde eine erzählte Lebensgeschichte. Historische Daten verbanden sich mit persönlichen Erfahrungen, Verfolgungswegen, Verlusten, Entscheidungen und Hoffnungen.

Das Storyboard-Telling beschränkt sich dabei nicht auf die reine Vermittlung historischen Wissens. Die Schülerinnen und Schüler setzen sich auch mit der Frage auseinander, was die Biografien der Verfolgten mit ihrer eigenen Gegenwart zu tun haben. Welche Verantwortung erwächst aus der Erinnerung? Wie entstehen Ausgrenzung und Gleichgültigkeit? Und welche Haltung ist notwendig, um Menschenwürde und Demokratie zu schützen?


Einen besonderen Rahmen erhielt das Projekt durch den Themenabend „Bilderwelten – Erinnerung, Geschichte und Gegenwart im Bild“ am 9. März 2026. Schülerinnen und Schüler meines Politik- und Gesellschaft-Kurses führten zunächst durch Toscanos Ausstellung und stellten ausgewählte Biografien vor. Anschließend kamen unterschiedliche Perspektiven auf historische Bilder und Erinnerungskultur miteinander ins Gespräch: Luigi Toscano erläuterte seinen künstlerischen Ansatz, während der Historiker Dr. Christoph Kreutzmüller Fotografien aus der Zeit des Nationalsozialismus als historische Quellen analysierte. Moderiert wurde der Abend von Sandra Butsch gemeinsam mit Schülerinnen und Schülern des Kurses.


Die Verbindung von Toscanos Porträts und den selbst entwickelten Storyboards machte deutlich, was zeitgemäße Erinnerungsarbeit leisten kann: Sie bewahrt nicht nur die Vergangenheit, sondern fordert zur Auseinandersetzung, zur Empathie und zur eigenen Haltung heraus. So wurde aus einer Ausstellung ein lebendiger Lern- und Erinnerungsraum – gestaltet von und mit jungen Menschen.



Weitere Informationen

 

Ausstellung „GEGEN DAS VERGESSEN“ am WEG⁠

Themenabend „Bilderwelten“ am WEG⁠

Veranstaltungsankündigung von Gegen Vergessen –